So, nun komme ich auch endlich dazu, meine Gedanken zur Dämonengruft aufzuschreiben. Ich war am Samstag nach der Eröffnung und am darauf folgenden Dienstag im Heide Park und konnte den Darkride insgesamt zwei Mal fahren.
Das Eingangsportal gefällt mir gut, was man von der Begrüßungungsansage ("WWWillkommen zur Katakomben Tour") nur bedingt behaupten kann. Wenn man nur kurz warten muss und in die Warteschlange reinlaufen kann, ist das bestimmt ein netter Effekt. Wenn man dagegen an vollen Tagen so wie ich am Eingangsportal warten muss, geht einem die Ansage schnell auf die Nerven. Denn gezählte fünf Sekunden nach dem Ende wird der Satz wieder von vorne aufgesagt.
Und wir bleiben bei nervigen Dingen: der Musik. Wer kam auf die Idee, drei kurze Musikstücke in Dauerschleife, die sich teilweise wie das musikalische Äquivalent von Feuerameisen am Körper anhören, als musikalische Untermalung für eine Warteschlange zu nutzen? Bei der Bobbahn hat es doch auch funktioniert, transilvanisch inspirierte Musik zu nutzen/komponieren zu lassen, die niemanden auf die Nerven geht. Hier einige Kommentare von anderen Parkgästen zu der hektischen Akkordeon-, Flöten- und Fiedelmusik:
- "Das ist ja wie in der Klappse hier mit der Musik."
- "Das macht mich aggressiv."
- "Ich brauche Ohrenstöpsel."
- "Das ist Folter."
- "Das ist schlimmer als die Achterbahnen hier."
Die Warteschlange selbst ist mit ein bisschen Natur und rostigen Gegenständen sowie Holzplanken und Plakaten (die sich teilweise wiederholen) gestaltet. Nicht der große Wurf, aber definitiv besser als gar nichts. Wobei die Bedachung (Sonnen-/Regenschutz) etwas durchgehender sein könnte, um eine der wenigen Indoorattraktionen des Heide Park noch wetterunabhängiger zu machen. Jedenfalls hat man auch einen guten Blick auf den Flug der Dämonen und besonders den Demonic Knot.
thematisierte Mülleimer
Taddéus (Fraylich) und Katleen (Abraham) waren an der Entwicklung der Gestaltung beteiligt (vgl. hier).
Auch Heide Park Geschäftsführer Peter Dunn wird vermisst.
Hat man es dann zum Drehkreuz geschafft und betritt das Gebäude, steigt das Thematisierungniveau schlagartig an und erreicht gutes Niveau. Am Beginn des Flures, der zur Station führt, befindet sich der kurze Film zur Geschichte der Attraktion, der die Pre-Show darstellt. Dadurch, dass sich die Leinwand ganz am Anfang des relativ engen Flures befindet, bekommen nur diejenigen, die zuletzt hereingelassen wurden, etwas vom Film mit.
Das ist bedauerlich, denn ein echter Pre-Show-Room (der vermutlich aus Platz- und/oder Budgetgründen nicht gebaut werden konnte) hätte im Gegensatz zum jetzigen Film alle Besucher zuverlässig in die Geschichte eingeführt. Außerdem können Pre-Shows andernfalls kurze Erlebnisse deutlich aufwerten und abrunden. Baron 1898 bspw. hat eine Netto-Fahrzeit von etwa 30 Sekunden. Aber durch die drei Pre-Shows ist es trotzdem eine Attraktion mit guter Gesamtlänge, bei der kaum einer mit den Worten "Das war's schon?" aussteigen wird. Diese Chance wurde hier verpasst.
Nun aber weiter in die Station, denn diese ist tatsächlich ziemlich atmosphärisch gelungen. Gepäck kann links in einem Regal abgelegt werden. Die Wagen sind als Loren gestaltet und passen ins Thema. Hat man Platz genommen und den stufenlosen Bügel für beide Personen in einer Reihe geschlossen, geht es unter Lichterflackern los in den ersten Raum.
Das könnte der kleinste Raum eines Darkides überhaupt sein. In die wirklich schön gestaltete Wand ist ein Bildschirm einglassen. Auf diesem verwandelt sich ein Mensch in dunkler Kutte langsam in einen Dämon. Während seiner Verwandlung klärt er uns über unser wahres Schicksal in den Katakomben auf. Dieser Stimmungswechsel von Katakombentour zu Dämonengruft kommt recht plötzlich, was aufgrund der Kürze der Attraktion aber vermutlich nötig ist.
Im nächsten Raum sehen wir einige kleine Höhlen, dargestellt durch Bildschirme, in denen weitere Dämonen lauern.
Die sehr wenige physische Dekoration ist auch hier gut gelungen. Am Ende kann man auch gerade noch so erkennen, dass der Dämon aus dem ersten Raum uns verfolgt. Hier frage ich mich, warum er nicht zumindest etwas früher erscheint, denn so dürften ihn die meisten Besucher übersehen. Die Stimmung hier ist aber durchaus bedrohlich-gruselig mit all den Dämonen, die einen beobachten. Trotzdem hätte es sich hier wie auch in den anderen Dunkelstrecken sehr angeboten, ein paar Schreckeffekte einzustreuen.
Die nächste Szene beinhaltet den Pepper's Ghost Effect und ganz ehrlich: Hier wäre mir ein normaler Bildschirm lieber gewesen. Die Projektion war für mich einfach nur schwer zu erkennen und erzeugte bei mir kein bisschen den Eindruck, dass sich ein Dämon in dem kleinen Raum befindet. Dass der Dämon einen mit Blitzlicht anspringt, ist aber ebenso wie der Wasserspritzer durchaus ein netter Effekt. Auch hier ist die vorhandene physische Thematisierung gut gelungen.
Es folgt die Sequenz, die mit Abstand am stärksten an klassische Kirmesgeisterbahnen erinnert. Einige rasselnde Käfige werden nach und nach angeleuchtet bevor am linken Rand plötzlich ein schreiende Dämonenfigur auftaucht.
Der Schreckeffekt funktioniert ganz gut. Gerade im Vergleich zu den vorherigen Räumen, fällt allerdings die völlige Kahlheit der Szene auf. Außer den Käfigen und der Dämonenfigur gibt es hier nichts zu sehen. Die Wand im Hintergrund ist einfach schwarz gestrichen und das sieht man.
Danach kommt der Abschnitt der Fahrt, der mich am ratlosesten zurücklässt. Zuerst kommt die längste Dunkelstrecke der Fahrt. Solange diese mit Geräuschen unterlegt sind, sind sie der Stimmung durchaus zuträglich. In den letzten gut fünf bis zehn Sekunden fährt man hier aber einfach nur durchs Dunkle. Seltsam. Der Gang danach ist wiederum gut thematisiert und mit passenden ekligen Geräuschen untermalt. Die rot glühenden Risse sehen leider etwas billig aus, was sicher deshalb auffällt, weil man so nah daran vorbeifährt. Nur passiert währenddessen nichts. Kein Schreckeffekt, auch kein weiterer Bildschirm mit dem Dämonen.
Das finde ich schade, zumal diese Sequenz ist im Vergleich zur gesamten Fahrt ziemlich lange ist.
Zum großen Finale trifft man schließlich den Dämonenkönig, bzw. leider nur seinen Kopf. Der Kopf selbst ist dabei durchaus eindrucksvoll. Er wirkt in dem kleinen Räumchen und dadurch dass er sich nicht bewegt und es wirklich nur der Kopf ist, allerdings nicht so bedrohlich wie er sein könnte. Für das große Finale passiert ein bisschen wenig und der Raum wirkt etwas leer. Zumal die Szene nach einmal Ausatmen vom Dämonenkönig (mit Wärmeeffekt und Wasserspritzer!) auch schon wieder vorbei ist
Damit ist dann auch die Fahrt beendet. Der Ausgang führt die Thematisierung noch weiter, bevor man durch eine Tür wieder ans Tageslicht tritt und parallel zur Warteschlange die Attraktion wieder verlässt
Ist die Dämonengruft der gruseligste Darkride Deutschlands? Wahrscheinlich ja. Kirmesgeisterbahnen haben mehr Schreckeffekte und das Geisterschloss im Europa Park hat brutalere Szenen, aber was gruselige Atmosphäre angelangt, ist die Dämonengruft durchaus gelungen. Acht Jahre finde ich daher eine zu niedrige Altersgrenze für diese Attraktion. Auch wenn die Dämonengruft kein Horror ist (der Wartebereiche von Sky Scream ist extremer), reizt der Darkride die Obergrenze dessen, was noch als familienfreundlich durchgeht, komplett aus, geht mit der Szene, bei der der Dämon auf den Körper einschlägt und mit Wasser Blutspritzen simuliert wird, sogar darüber hinaus. Ich hätte mir eine klarere Leitlinie bei der Gestaltung gewünscht, die sich noch mehr Richtung Horror und Scares orientiert hätte. Familiengrusel haben sie mit Ghostbusters ja schon. Und die Dunkelstrecken betteln geradezu darum, mit Schreckeffekten ausgestattet zu werden. Auch Projektionen an den Wänden wurden leider gar nicht genutzt, obwohl die sehr platzsparend wären. Dadurch, dass der Heide Park bei der Gestaltung im letzten Moment vor der Familienunfreundlichkeit doch noch die Biege gemacht hat, fehlt dem Darkride meiner Meinung nach eine klare Zielgruppe. Für die ganze Familie ist er doch etwas zu gruselig und für Thrillseeker hätte es noch mehr sein dürfen.
Mehr Szenen und Fahrzeit hätten es natürlich auch sein dürfen. Der Grund dafür ist natürlich die winzige Fläche in der alten Station der Wildwasserbahn. Obwohl ich von der kurzen Fahrzeit wusste, dachte ich bei der Wiederankunft in der Station: "Das war's schon?" Dadurch, dass die Szenen selbst nicht groß sind und daher relativ wenig Inhalt haben (+die vielen Dunkelstrecken) ist die Summe dessen, was insgesamt zu sehen ist, etwas klein. Wiederholungsfahrten würde ich nur bei niedrigen Wartezeiten (<15min) machen, was aber auch am Soundtrack liegt.
Trotzdem bin ich froh, dass die Attraktion existiert. Es gibt einen neuen Darkride/eine neue Geisterbahn in Deutschland. Der Heide Park hat eine Neuheit. Es handelt sich dabei nicht um ein winziges Kinderfahrgeschäft mit unpassender IP, geklont aus einem anderen Merlin Park. Die Dämonengruft ist ein eigens für den Park kreiertes Indoor-Fahrgeschäft und sehr passend an dieser Stelle. Die Themingqualität ist gut und der extrem wenig Platz wurde gut genutzt.
Zusammengefasst ist die Dämonengruft eine gute Support-Attraktionen mit etwas kleinem Zielpublikum, die ihre 600qm Fläche und 60m Strecke in einem zuvor leerstehenden Gebäude gut ausnutzt. Mehr Thematisierung, größere Szenen, eine längere Fahrzeit und weniger Bildschirme wären zwar wünschenswert gewesen, aber die Gänge sind vermutlich einfach zu eng dafür. Kapazität und Musik sind mindestens so gruselig wie die Fahrt und das ist im Falle der Musik kein Kompliment. Die Dämonengruft passt sehr gut in den Heide Park generell und an diesen Standort im Park im Besonderen, was man längst nicht von allen Attraktionen von Merlin behaupten kann (z.B. Peppa Pig Land). Allerdings frage ich mich immernoch, warum man eine neue Attraktion mit Müh und Not in ein altes Gebäude gequetscht hat, wo der Park doch ungenutzte Flächen so groß wie das gesamte Phantasialand hat.