Zwei Pfennige: ich finde derartige Praktiken, ein sehr spontanes und witterungs- und stimmungsabhängiges Öffnungsregime sehr kundenunfreundlich, nicht mehr zeitgemäß und ab einer gewissen kritischen Unternehmensgrösse, die hier weit überschritten ist, nicht vertretbar.
Begründung: die Kunden erwarten ein Produkt, enttäuschte Kunden kommen nie wieder. Ich habe jahrelang in einem großen Open-air Kino gearbeitet, dort haben wir das ähnlich gehandhabt. Bei Regen gab es eine Hotline, und 2h vor Film wurde verbindlich entschieden ob die Vorstellung stattfindet. Irgendwann haben wir es dann gelassen und einfach bei jedem Wetter gespielt (außer bei Sturm in Unwetterwarnung). Weil: es gab immer 10-15 extraharte, die mit Regenschirm und Thermoskanne angerückt sind und vollkommen unbeeindruckt jeder Witterung gegenüber waren. Die Hotline zu bedienen hat genervt. Die Unsicherheit hat sich rumgesprochen, die Leute haben auch bei gutem Wetter angerufen um zu fragen ob wir auch WIRKLICH spielen. Das Personal war eh da oder hatte sonst Ausfallzeiten. Es waren IMMER, auch bei bester Kommunikation, Leute am Zaun und waren traurig, wenn wir nicht gespielt haben.
Ich seh ein, wenn bestimmte Attraktionen nach Herstellervorgaben unter bestimmten Bedingungen nicht betrieben werden können. Ich habe auch Verständnis, wenn kleine Familiengeführte Attraktionen wie ein Märchenwald oder eine Parkeisenbahn auf die Homepage schreiben „Betrieb nur bei schönem Wetter“. Aber einen ganzen Park zu machen oder früher schließen finde ich nicht gut.
Dass das aus Kundensicht blöd ist, liegt auf der Hand. Aber auch unternehmerisch finde ich das zweifelhaft. Klar komme ich an nem schlechten Tag nicht in die Gewinnzone. Aber ich erwirtschafte wenigstens ein wenig Umsatz mit den Leuten die da sind. Ausserdem zeige ich mich verantwortungsvoll gegenüber meinen Mitarbeitern. Denn die wollen sich planen und erfahren genauso kurzfristig vom Arbeitsausfall. Wenn das finanzielle Einbußen mit sich zieht, dann werden die zu Recht sauer. Wenn aber die Mitarbeiter eh bezahlt werden dann können sie auch vor Ort sein und Betrieb machen.
Wie es besser geht: man kann, wenn man sich die Flexibilität erhalten will, die Kosten des Leerlaufes scheut und trotzdem niemand vor den Kopf stoßen will, von vornherein kürzeren Öffnungszeiten veröffentlichen. Mit dem Zusatz: bei schönem Wetter länger. Und man kann bei geringem Andrang weniger Personal einplanen und einzelne Gastronomien geschlossen lassen, und Fahrgeschäfte stundenweise versetzt öffnen. Was viele kleine Parks machen.
Zuletzt eine kleine Tellerrandnotiz: ich war letztes Jahr im Bayernpark, war sehr mies drauf und genervt als ich ankam, die Anfahrt war ein Desaster, es hatte in Strömen geregnet. Ich wusste dass der Park leer sein und viele Rides gar nicht erst öffnen würden. Ich wollte nur rein, full count und wieder weg. An der Kasse fragte ich welche Einschränkungen bei den rides existierten und wann die öffneten bei dem Regen. Die Frau guckte mich vollkommen verständnislos an und antwortete dass natürlich alle Fahrgeschäfte schon längst fahren würden und das auch den ganzen Tag täten, bis auf die Sommerrodelbahn, für die müsste es erst eine Stunde trocken sein.
Bin dann bis Parkschluss geblieben und hatte einen der besten Solo Park Days. Und sogar die Sommerrodelbahn geschafft, als es am Nachmittag aufklarte und richtig warm wurde.