Ich bin hier ehr so der Leser und weniger Schreiber. Lese mich jeden Abend so durch die Themen und erfreue mich an dem positiv, nerdigen Fachwissen im Coasterbereich. Nun muss ich mal meinen Senf abgeben, als jemand der seit rund dreißig Jahren Grafiken erstellt - ich kenne noch Freehand oder habe mit Quark Xpress gearbeitet (heute Illustrator, Photoshop, indesign und so Zeugs).>20 Jahre selbständig.
Ich habe mir das Logo auch angeschaut, aber die Begründung „das Logo ist glattgebügelt und die Konturen der Buchstaben nicht gerade“ ist für mich null Indiz für eine KI. Ich kann mir doch ohne Probleme eine Typo raussuchen, die mir charakterlich passt und diese dann, nachdem ich sie vektorisiert habe, nacharbeiten. Ich kann diese Störungen händisch ergänzen - bestimmt gibt es dafür auch Filter oder Kontureffekte (ich boch ehr so der Typ „mach ich selbst“). Dieses Logo kann genau so von einem Grafiker/in kommen. Und handwerklich ist es nicht mal komplett daneben.
Ja, man kann da mehr Liebe rein stecken. Und man darf darüber streiten ob es den späteren Zweck erfüllt (den wir nicht kennen). Aber mal ehrlich, da gibt es so viel gruseligere Sachen.
Ich selbst lebe davon das man mir meine kreative Arbeit bezahlt. Und mitunter gibt es sogar Arbeiten die ich selbst bei Fiverr einkaufe weil es 1) Menschen gibt die das schneller können wie ich 2) es besser können oder 3) weniger Geld verdienen müssen wie ich. Sprich: die Wertschöpfung liegt nicht immer zu hundert Prozent in meiner eigenen, handwerklichen Arbeit. Manchmal kaufe ich es auch selbst ein. Und ich kaufe es besser ein als meine Kunden, weil ich weiß was geht und wie es geht und weil ich die Referenzen der Dienstleister einschätzen kann. Und nun muss man sich fragen welchen der drei genannten Punkte die KI erfüllt. Leider sind das oft mindestens zwei Punkte.
Also warum bin ich als Grafiker (noch) notwendig? Es ist die Kommunikation mit meinen Kunden. Ich höre ihm zu und stelle die richtigen Fragen. Ich bekomme ein Gespür für das was er sich vorstellt, wie er tickt und was ihm und seiner Zielgruppe sonst so gefällt. Und ich spinne mit ihm vermutlich weit über die Aufgabe hinaus und so ergeben sich dann Logos, Design und im besten Fall ganze Geschichten drumherum. Und ich gebe mich nicht mit dem ersten Gespräch zufrieden. Ich schlafe eine Nacht drüber und fange dann noch einmal an. Ich frage andere Menschen nach ihrer Meinung. Auch die KI wird besser, aber kann sie das auch? Läuft sie durch den Betrieb, die Ausstellung den Freizeitpark? Hört, richtig und fühlt wie das Ganze lebt und wie die Menschen dort schwingen? Da ist sie noch nicht so weit. Und wenn sie soweit ist, dann wird sie auch nicht mehr sooo viel günstiger sein wie ich.
Die KI ist aber mit Sicherheit mein Werkzeug (muss sie sein, sonst werde ich den Laden abschließen müssen) um schneller ans Ziel zu gelangen. Aber es ist wichtig das ich ihr rechtzeitig das Projekt weg nehme und selbst den Feinschliff mache. Und da sind sechs krumme Finger oder schiefe Ohren ein no Go. Ich freu mich auch darüber das der ein oder andere YouTuber eine Lanze für uns Kreative bricht und sich über die Plakate im Phantasialand aufregt. Und gleichzeitig ertappe ich mich dabei wie ich staune was die KI da so zusammenbaut. Viele dieser Grafiken würden mir wirklich leid ab gehen. Das würde mich viel Zeit und damit Geld kosten. Ich selbst finde es wirklich garnicht schlimm dass das genutzt wird.
Aber bei einer Sache, da bin ich schon streng. Bei einem solchen Projekt muss ein roter Faden zu sehen sein. Texte und Geschichten sollten rund und schlüssig sein. Der Stil muss durchgezogen werden und ich hasse es, wenn Sachen total verzerrt oder am Ende womöglich stumpf auf Aludibond geplottet werden. Da braucht es dann jemanden der nicht lustig in die KI promptet, sondern ein Auge dafür hat und weiß wie das große Ganze aussehen soll.
Ich übertrage das mal aufs Handwerk. Wer sagt „CNC-Fräsen sind böse, Laubsägearbeiten sind gut“? Das ist nur solange der Fall wie der Mensch mit der Säge mehr Liebe in seine Arbeit steckt. Sobald jemand weiß was er tut und gute Ideen in seine CNC Anlage überträgt wird das Ergebnis nicht schlechter sein. Schade um all die Jobs die sich mit Laubsägearbeiten beschäftigen. Diese Menschen müssen sich zukünftig mit den Möglichkeiten der automatisierten Arbeit auseinandersetzen. Besser sie tun es, als branchenfremde Maschinenbediener. Der Job des Handwerkers verschiebt sich darauf das Werkstück zu entwickeln mit dem Wissen was möglich ist. Danach können sie diesen Rohling veredeln durch Schleifen, Entgraten, Lackieren. Es ist also immer von Vorteil sein Handwerk zu verstehen wenn du Maschinen einsetzt. Ich denke darauf können wir uns alle einigen.
Jetzt bin ich vom Thema abgekommen? Eigentlich wollte ich nur die ehr pauschale Aussage „das ist ki weil“ in Frage stellen. Ja, das kann gut sein. Und vermutlich aus einer (bestimmt ist es „Geld“) meiner drei genannten Gründe. Aber es ist nicht gesichert.
Sorry, wollte den Rahmen nicht sprengen. Aber endlich mal ein Thema wo ich alter Mann meine Senf abgeben durfte. Aber nen bissen Text kommt noch
PS: in meiner damaligen Ausbildung als Bauzeichner habe ich selbst noch Pläne für den Marienhof (heute StarTrek), Dirty Harrys Bar und ein Gebäude vorne in Warner Brothers Movie World auf dem Tisch gehabt. Das war vor meinem Wechsel in die kreative Welt. Von daher bin ich von Haus aus sehr streng mit den Leuten aus Bottrop. Ich bin oft enttäuscht über Dinge die dort passieren aber auch realistisch genug um die Lage dort einzuordnen. Und darum lasse ich hier mal Gnade vor Recht ergehen

Die sollen in Kirchhellen zukünftig lieber mehr Geld in Naturstein statt Tischlerplatte investieren. Und ganz ehrlich - vieles von Imamedien ist jetzt auch nicht wirklich der heiße scheiss. Da denke ich mir sogar manchmal „ob es da KI nicht auch tun würde“ - sorry das war sehr, sehr böse. Aber ich habe schon mit Filmemachern gearbeitet die so geiles Zeug machen (weil sie für die Sache brennen und ihren eigenen Anspruch krass hoch legen). Den Content halte ich für einen Filmpark stellenweise für echt nicht ausreichend. Und da muss man keine 100k in die Hand nehmen. Andererseits ist die Loyalität zum Partner auch hoch anzurechnen - vor allem in der verzwickten Eigentümersituation des MPG.
So jetzt halte ich wieder drei Jahre die Klappe
