Gerade in der Informatik musste man sich aber schon immer auf neue Technologien einstellen. Wer sich neuen Werkzeugen verschlossen hat, ist irgendwann abgehängt worden. Das galt für neue Programmiersprachen, Frameworks, Cloud-Technologien oder Automatisierung – und heute eben auch für KI.
Ich glaube es ist auch wichtig die unterschiedlichen Bereiche und Anwendungen von KI in der Diskussion zu unterscheiden.
Anwendungen die klaren Regeln folgen, wie Programmieren (was ich jetzt einfach mal mit "Rechnen/Mathematik" vergleiche), können dadurch unterstützt werden. Es wird aber wahrscheinlich immer die fähige, menschliche Komponente brauchen um zu prüfen ob das, was angefordert wurde, wirklich korrekt und stimmend umgesetzt wurde.
Schwammiger wird es in Bereichen, in denen es tief "menschelt". Alles was sich nicht mit handfesten Regeln aufstellen lässt, wie Bereiche aus Kunst und Gestaltung. Das wodurch sich Menschen als "menschlich" definieren. Musik, Bilder, Konzerte, Kabarett, etc etc, das ist immer etwas was vielschichtige Grundlagen in sich aufsaugt und je nachdem beim Empfänger ankommt oder nicht. Das ist etwas, was Menschen aus Leidenschaft betreiben, etwas was sich wandelt, je nach Zielgruppe, Trends, Zeitalter. Und das ist der Bereich, wo ich die "Verdrängung" am kritischsten sehe.
Klar, es ist schwierig die Grenze zu ziehen. Corporate Plakate zu entwerfen hat wahrscheinlich weniger mit menschlicher Kunst zu tun, als als Zeichner:in eigene Werke anzufertigen.
Warum es dennoch relevat ist, liegt wahrscheinlich etwas auch im "Storytelling" vergraben. Unternehmen verkaufen sich heutzutage mittels Storytelling und der Werte, für die sie stehen wollen. Und da fängt es eben an mit der Frage, was will ich als Firma darstellen?
Will ich jemand sein, der Kreativität und Imagination in den Vordergrund rückt? Oder jemand der hier und dort Abkürzung nimmt um den schnellen Euro zu generieren? Verglichen mit, stelle ich Leute fix an (Sicherheit, Stabilität, besseres Einkommen aber daher mehr Firmenausgaben) oder nutze ich Leasingarbeiter (schlechtere Zahlung, Druck, keine Sicherheit, aber günstiger für Firma).
Oder, man stelle sich vor Walt Disney hätte im heutigen Jahr gelebt und Mickey Mouse mit KI erfunden. Würde die Story jemals so gut ankommen? Oder funktioniert(e) Disney deshalb so gut, weil man weiß dass sich da jemand mit Herzblut dahintergeklemmt hat?
Insgesamt kommt es dann viel auf die Anwendungsstrategien an. Wird KI arbeitsergänzend genutzt, so wie Nik93 das erzählt, um Qualität zu steigern, Angestellte zu entlasten, aber mit eigenen Leuten wertschätzend weiterzumachen? Oder nutzt man es um gezielt Bereiche wegzukürzen, unter dem Bewusstsein, insbesondere im Gesamtbild Einbußen in Kauf zu nehmen? (schlechtere Wertdarstellung des Unternehmens, Einbußen in Markenpräsentation etc etc).
Ja, wenn ich argumentiere dass KI in Programmierung OK ist, sollte es auch in Grafikdesign gewissermaßen willkommen(er) geheißen werden, I guess. Es sollte aber keine Berechtigung haben, die Kunst zu verdrängen. Und das tut es halt leider momentan, weil es dort so viel schwerer ist sich 8ales Einzelner) gegen (moralische) Werteverletzungen zu wehren.
Gerade Freizeitparks bedienen sich immer mehr der Thematisierung und wollen damit Illusionen aufstellen. Wenn sie aber Werte vermitteln wollen die bei den Kunden nicht als Glaubhaft ankommen (siehe Diskussionen von "wirkt billig, faul, wird gespart" vs. "Familienbetrieb, herzlich, verbessert sich" etc etc) dann sollte man grad in dem Bereich halt auch darüber nachdenken, welches Bild man mit KI-Nutzung abgibt und ob das mit den eigenen Zielen übereinpasst.