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Teutates-Tour #4: Über die Normandie zur Bretagne (Festyland)

Fiorell

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Willkommen zu meiner kleinen Berichte-Serie zu unserem Coastertrip durch Belgien und Frankreich im April 2023.

Wir verließen dann Paris, um über die Normandie in die Bretagne zu fahren. Man könnte meinen, dies sei ein Trip ins Achterbahn-Niemandsland, was in weiten Teilen auch stimmt. Doch neben zwei wirklich interessanten Sehenswürdigkeiten, handelt dieser Beitrag tatsächlich auch von zwei Achterbahnen…

Teutates-Tour 2023:
Teutates-Tour #1: Belgien (Bobbejaanland & Walibi Belgium)
Teutates-Tour #2: Nach Paris (Parc du Bocasse & Parc Saint Paul)
Teutates-Tour #3: Spinnen die Römer? (Parc Astérix)
Teutates-Tour #4: Über die Normandie zur Bretagne (Festyland)
Teutates-Tour #5: Tief im Nordwesten (La Recré des 3 Curés & Kingoland)
Teutates-Tour #6: Ein Show-Muffel im Puy du Fou!
Teutates-Tour #7: Ein Blick in die Zukunft? (Futuroscope)
Teutates-Tour #8: Die Riesen der Auvergne (Vulcania & Parc Fenestre)
Teutates-Tour #9: Wo sich Mack & Igel Gute Nacht sagen (Nigloland)

Was hat Wilhelm der Eroberer mit Achterbahnen gemein?

Bei unserem weit ausholenden Schlenker durch die Bretagne werden wir einige weitere dieser “Ferienparks” besuchen. Wir haben jedoch lange nicht alle Parks besucht, die man auf dieser Strecke “abgrasen” könnte, sondern mussten uns aus Zeitgründen auf die etwas interessanteren Freizeitparks konzentrieren. Einer davon ist das Festyland, welches man in der Nähe von Caen findet.

Das Festyland galt bisher als der größte Freizeitpark in der Normandie, aber in jüngster Zeit wird ihm dieser Titel durch den 'Parc du Bocasse' streitig gemacht. Eröffnet wurde das Festyland 1989 von zwei befreundeten Ehepaaren und bei dem Thema des Parks entschied man sich für “Rittertum” bzw. “Wilhelm der Eroberer”.

Dazu muss man in aller Kürze wissen, dass die Normandie im Mittelalter gerne mal von Wikingern überfallen wurde. Dies ging so lange, bis den Westfranken die Hutschnur platzte und ein gewisser Wikingerjarl Rollo das Herzogtum Normandie als Lehen zugesprochen bekam. Also ließen sich dort die Wikinger nieder und es mischten sich dort Dänen, Norweger und Franken zu den Normannen.
Der Nachfolger von Herzog Rollo war Wilhelm, der sich später anschickte, England zu erobern. Darum heißt er heute auch ‘Wilhelm der Eroberer’. Seine erste entscheidende Schlacht fand 1066 bei Hastings statt. Dort besiegte er den britischen König Harald II., der allerdings schon im Vorfeld durch einen Konflikt mit seinem Bruder Tostig geschwächt war.

Was es im Festyland gibt

Zuerst einmal gibt es das Park-Maskottchen ‘Festy’, das auf den ersten Blick aussieht wie ein Verwandter von Shrek, in Wahrheit jedoch einen Stegosaurus darstellen soll. Das ist etwas verwirrend, denn Dinosaurier haben jetzt nicht so viel mit Mittelalter oder Rittern zu tun.

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Sagt 'Hallo' zu Festy, dem Dinosaurier-Normannen.

Die drei größten Attraktionen dort sind:

Drakkar Express
Ein Mine Train aus dem Jahre 1997 von Soquet. Das schönste an dieser Achterbahn ist, dass sie mittlerweile sehr stark von Bäumen umgeben ist, durch den sich diese Familienachterbahn schlängelt. Ansonsten gilt hier, was für alle Mine Trains von Soquet gilt: Festhalten, sonst quetscht man seinen Sitznachbarn. Hübsche, aber eher kleine Bahn. 5/10.

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Nett gestaltete Züge auf dem Drakkar Express.

1066
‘1066’, und aufmerksame Coasterfriends-Leser wissen mittlerweile auch was diese Jahreszahl bedeutet, ist der größere Soquet-Coaster im Park. Und hier hat man auch von der thematischen Gestaltung her mehr Aufwand betrieben.

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Widder der Eroberer!

Der Lifthill ist eingekleidet in eine Burgfassade, vor dem Lifthill geht es durch einen Tunnel und in der Station erspäht man auch eine kleine Kopie des “Teppich von Bayeux”, der den Eroberungszug von Wilhelm dem Eroberer nachbildet. Das Original, das 64 Meter lang ist, kann man sich übrigens in einer Ausstellung in Bayeux anschauen.
Rätselhaft, wie das Dino-Maskottchen, ist die Gestaltung des Zuges mit Widder-Köpfen. Na egal, sieht auf jeden Fall ganz schick aus.

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1066 fährt dann auch etwas rasanter als der Drakkar Express, in manchen Reihen bekommt man sogar einen Anflug von Airtime - ist allerdings auch sehr schnell wieder vorbei. 6/10.

Kaskade
Die dritte große Anlage im Park ist ein Zamperla Hydro Lift - also eine sehr kompakte aber sehr schöne Spinning Raft Anlage. Und was man so beobachten konnte: die Drehung auf dieser Anlage ist ziemlich heftig. Wir haben tatsächlich nur beobachtet, da es hier die längste Warteschlange im Park gab und wir uns dort nicht unbedingt länger als 30 Minuten anstellen wollten.

Dann haben die dort auch noch ein paar Flatrides:
La Tour d’Esnambuc ist ein leicht mit Piratenthema belegter Droptower, an dem leider auch immer ein zu großer Andrang herrschte.
Eretic ist ein 25m hoher Zamperla Frisbee ohne Überschlag, für alle die so etwas noch abkönnen.
Eine Neuheit aus dem Jahr 2021 ist dann Miølnyr, ein sehr aufwändig thematisierter Zamperla Air Race. Gibt optisch durchaus was her.

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Für Familien und Kinder gibt es auch noch eine Menge dort zu fahren: Oldtimer, Parkeisenbahn, Rutschen usw., also ein recht hübscher Park für Familien, die auch schon ein paar ältere Kinder im Gepäck haben. Die kulinarischen Angebote sind guter Standard, gehen aber über Fast Food nicht hinaus.

Sightseeing? Sightseeing!

Eigentlich war als Option für die lange Fahrt auch noch der ‘Parc Ange Michel’ vorgesehen, aber dann überkam uns doch der Wille, mal etwas historisches und handfestes anzuschauen. Und wenn man in der Normandie unterwegs ist, dann gibt es da ein ganz besonders eindrucksvolles Ziel:

Le Mont-Saint-Michel

Dieses UNESCO-Weltkulturerbe ist schon bei der Anfahrt von weitem zu sehen. Und beim Näherkommen wird einem klar, wie imposant diese Insel mit Hügel und der auf ihr thronenden Abtei eigentlich ist.

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Eeiiine Insel und zwei B... ne nur ein Berg.

Die Verwaltung dort hat sich nicht lumpen lassen und hat dort eine riesige Parkplatz-Anlage mit kostenlosen Pendelbussen installieren lassen, um den Besuchermassen herr zu werden. Der Pendelbus ist gratis, für den Parkplatz zahlt man einen kleinen Obolus.

Kaum angekommen, steigt man dort aus dem Pendelbus aus, und man kann gar nicht mehr anders: Das Smartphone oder der Fotoapparat wandert wie selbstverständlich in die Hand. Man erblickt etwas, das ist wie Disney - nur in Größer und in Echt!

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Eine verwinkelte Gasse dreht sich hinauf zur Abtei.

Obwohl, ganz so echt ist es dann auch nicht. Hat man erst einmal das Eingangstor passiert, dann bekommt man neben viel historischem Gebäude, schönen Aussichten auf die Abtei oder das Meer, leider auch eine ganze Menge Kommerz geboten. Bei Universal hätte man das gestrichen, um nicht die Authentizität des Bereichs zu stören.

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Doch das bleibt auch meine einzige Kritik an diesem umwerfenden Ausflugsziel. Wir waren nur kurz dort, aber auch ein Kurzbesuch lohnt sich meiner Meinung nach.

Wir übernachten nicht bei, sondern in einer Attraktion

Jetzt kommt noch ein Tipp für alle, die auf der Fahrt in die Bretagne nach einer besonderen Übernachtungsmöglichkeit suchen - die sogar im Vergleich zu den anderen Hotels auf unserer Tour recht günstig ausfiel.

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Die umgestaltete ehemalige Papierfabrik.

Als wir das B&B Domaine des Papeteries erreichten, war leider schon die Dunkelheit hereingebrochen. So konnten wir die wundervollen Installationen rund um diese umgebaute alte Papierfabrik erst am nächsten Morgen bestaunen.

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Auch außen findet man dutzende von Installationen.

Aber ehrlich gesagt, alleine das Innere dieser Unterkunft reicht für den Anfang erst einmal, um alle Ansprüche an eine außergewöhnliche, um nicht zu sagen abgefahrene Übernachtungsmöglichkeit zu befriedigen.

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Ab und trifft man auf ganze Ensembles in den Zimmern.

Begrüßt wurden wir von einer freundlichen, älteren Dame, die sogar englisch und deutsch beherrschte und alsbald mit einer kurzen Einführung zur Unterkunft begann. Der Hausherr lebt dort eher zurückgezogen und lässt sich nicht so oft blicken. Denn er arbeitet immer noch an der Ausgestaltung der ehemaligen Papierfabrik.

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Ein Raum vollgepackt mit Merkwürdigkeiten. Herrlicher Stuck übrigens.

Die alten Gebäude sind an sich schon imposant. Im Innern wurden sie aufwändig restauriert: Alle sanitären Anlagen funktionierten dort einwandfrei und der Hausbesitzer legte an den Stuck selbst Hand an. Neben den Bildern und Skulpturen von Johann Gosselet (genannt ‘joh’) findet man viele Werke von befreundeten Künstlern in den großzügigen Zimmern.

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Auch die ganz kleinen Kunstwerke sind toll.

Zentrales Thema ist hierbei eine träumerische Interpretation einer Welt voller Mechanik. Einfach herrlich. Zum Glück gibt es mittlerweile digitale Fotoapparate, sonst wäre uns ganz sicher schnell der Film ausgegangen.

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Frühstück mit Metall-Yoda.

Das Frühstück war übrigens auch toll. Viele Sachen aus der Region und die Eier kamen sogar direkt von den Hühnern, die um unser geparktes Auto herumspazierten. Für Freunde der Natur gibt es dort auch noch viel zu sehen, ein kleiner Fluss gehört zur Parkanlage um die Papeterie herum. Leider mussten wir am nächsten morgen wieder zügig los - da hätte ich mir gerne mehr angeschaut.

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Fantastische Natur um die Gebäude herum.

Ein Tipp für alle, die Kunst, Schnickschnack oder einfach nur das Außergewöhnliche lieben.

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Bye Bye, Domaine des Papeteries!
 
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