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Wir reisten nach Kirgistan.
Ein kleines Grüppchen fand sich neulich zusammen, um einen schwarzen Fleck auf der Landkarte zu beleuchten. Ich wusste vorher fast nichts über dieses Land - weder dass die Hauptstadt Bishkek heißt, noch dass sich die Währung "Som" nennt. Es gab einen ganz klaren Grund, warum ich das Land anvisierte; diesen seht ihr schon oben im Teaser.
Beide Schreibweisen, Kirgisistan und Kirgistan, sind korrekt und bezeichnen dasselbe zentralasiatische Land. Kirgisistan ist die offizielle Bezeichnung des Auswärtigen Amts.
Flugverbindungen ab Europa sind rar. Die sinnvollen Routen führen fast immer über Istanbul. So entschied ich mich in Anbetracht des Preises für den Billigflug mit Pegasus Airlines: Nachmittags in Berlin los, morgens Ankunft in Bishkek. Das ist natürlich maximal Zeiteffizient und gleichzeitig sehr anstrengend, zumal an richtigen Schlaf bei einem 4-5 Stunden Flug im kleinen Airbus von Istanbul nach Bishkek kaum zu denken ist. Jedenfalls traf ich in Istanbul dann Philipp und es ging gemeinsam weiter nach Bishkek.
Meine Flugverbindung
Am kleineren der beiden Istanbul Flughäfen kostet ein Becks waghalsiger 21€.
Währenddessen gibt es die Granaten wenige Meter weiter für 4€. Crazy?!
Am Flughafen Bishkek warteten wir noch zwei Stunden auf Daniel und Wörni, die mit dem nächsten Flieger aus Istanbul kamen. Interessant: Während man mit dem deutschen Reisepass ganz entspannt ohne Visum in Kirgisistan einreisen darf, ist es mit Mietwagen nicht so easy. Hier benötigt man nicht nur den internationalen Führerschein, sondern zusätzlich auch noch eine amtlich beglaubigte Übersetzung davon ins russische. Wir verzichteten.
Was nun folgte, war rückblickend betrachtet einer der Glücksgriffe des Trip. Über die lokale Uber-Alternative "Yandex" riefen wir uns ein Taxi für die rund 80-minütige Fahrt zum ersten Freizeitpark.
Wir trafen auf Taxifahrer Bektur. Der Kollege war ungefähr in unserem Alter, war die Herzlichkeit in Person, sprach kein Wort Englisch und war unglaublich interessiert an unserer Reise. Während der Fahrt blieb der Google Übersetzer durchgehend aktiv und wir versuchten, die Sprachbarriere bestmöglich zu überwinden.
Letztendlich war die gegenseitige Sympathie so groß, dass wir uns auf folgendes Paket einigten:
- Wir zahlen Bektur jeder umgerechnet 15€
- Im Gegenzug bleibt er den ganzen Tag bei uns und fährt uns hin, wo wir wollen
- Er kommt mit uns in die Freizeitparks und hilft uns, falls es bei Kinderachterbahnen Probleme gibt
Bektur: Bester Mann!
Zwei Beispiele für die Konversation über den Tag...
Schaut im Hintergrund. Direkt hinter der Stadt beginnt das Hochgebirge bis fast 5000m. Das eröffnet immer wieder tolle Perspektiven.
Kommen wir direkt zum Kern des Berichts und einer meiner weltweiten Bucketlist-Coaster.
Boomerang / Бумеранг
Und weil wir Achterbahnfans mit dem Begriff "Boomerang" direkt das Vekoma Standardprodukt verbinden, nennen wir die Bahn fortan beim lokalen Namen: Бумеранг
Erstmals aufmerksam wurde ich auf die Bahn im Thread
https://coasterfriends.de/freizeitp...en-und-thematisierungsideen.4574/post-1276216
Ende 2024, sowie etwa zeitgleich auf der Facebook Seite VHCoasters. Von dem Moment an stand fest: Dort muss ich irgendwann hin.
Während des letzten Winters wurde einiges an Recherche betrieben. Demnach stand die Bahn im Sommer 2025 einige Monate still. Im Herbst fuhr sie wieder. Während der Wintersaison 2025/2026 stand sie trotz Parköffnung wieder still.
Unter keinen Umständen darf passieren, dass wir nach Bishkek reisen und die Bahn nicht fährt.
Kontaktaufnahme an den Park via Mail und Instagram blieb erfolglos.
Andere Achterbahnfans kontaktieren war auch nicht möglich, weil den Coaster quasi niemand gefahren ist.
Mit VHCoasters tauschte ich ein paar Nachrichten aus - wobei er mir dazu geraten hatte, zu warten, bis es in Bishkek wieder wärmer wird.
Tatsächlich tauchte der Name der Achterbahn Ende März 2026 erstmal nach mehreren Monaten wieder auf einer Preisliste auf, die der Park in seiner Insta-Story veröffentlichte. Wenig später folgte eine weitere Story, welche die Bahn in Bewegung zeigte.
100 prozentige Gewissheit gibt es nie und wir entschieden uns: Wir buchen!
Mit seinen 48 Meter Höhe ist Бумеранг echt beeindruckend, wenn man davor steht. Stände sie in Deutschland, wäre sie damit die fünfthöchste Achterbahn.
Ohne weiteren Spannungsaufbau: Die Bahn war geöffnet!! Juhuuuu.
Jetzt gab es noch eine Herausforderung. An der Kasse wurde uns erläutert, dass die Bahn mindestens 10 Fahrgäste für einen Betrieb benötigt. Im Park befanden sich aber keine 10 Leute. Blöd.
Gut, dass wir unseren neuem Taxi-Guide-Kumpel Bektur dabei hatten, womit aus 4 Leuten schonmal 5 Leute wurden. Der Versuch, mehrere Parkmitarbeiter für eine Mitfahrt zu akquirieren, scheiterte.
Letztendlich hatte Daniel den entscheidenden Vorstoß und erspähte eine Gruppe 5 Jugendlicher, die den Park eigentlich nur durchqueren wollten in Richtung der dahinter liegenden Grünfläche. Eine Einladung zur Fahrt auf unseren Nacken wurde ausgesprochen und einem Ride stand nichts mehr im Wege.
Wir haben für die 10 Personen umgerechnet 60€ für den Ride gelöhnt, was ich für die lokalen Verhältnisse unfassbar viel Geld finde.
Team PAX-4D-Coaster!
Da es nur diese einzige Fahrt gab, fehlten uns Fotos vom fahrenden Zug. Zum Glück hat eine Mitarbeiterin ein Video von unserer Fahrt gemacht, so dass ich zumindest die Screenshots draus habe.
Los geht es rückwärts in den Lifthill.
Höchster Punkt - ein Moment maximaler Nervösität
Dann gehts Vollkaracho ins Layout
Fazit
Бумеранг ist brutal, aber so richtig.
Und das passiert durch zwei Effekte, die sich überlagern, wobei der erste für mich noch stärker gewichtet:
- Die Rotationen sind derart schnell. Es ist kaum in Worte zu fassen, gefühlt braucht es hier den kleinen Bruchteil einer Sekunde für einen 360 Grad Überschlag.
- Gleichzeitig treten an mehreren Stellen im Layout sehr hohe G-Kräfte auf.
Zu erwähnen ist auch, dass die Bahn eine super Laufruhe aufweist.
Dieses Zusammenspiel sorgt für ein Fahrerlebnis, das irgendwo zwischen Genialität und Wahnsinn liegt.
Daniel hatte es in der Nachbesprechung exakt auf den Punkt getroffen: Vor der ersten Fahrt hatten wir Angst - vor einer zweiten Fahrt hätten wir noch mehr Angst, weil wir wissen was passiert.
Wir sind uns alle vier einig, dass sich die weite Reise nach Kirgisistan schon allein für diese Achterbahn gelohnt hat.
Was für eine Höllenmaschine und was für ein einzigartiges Erlebnis. Heftigste Achterbahn, die ich bisher erleben durfte.
Zu dem Park ist noch zu erwähnen, dass er super modern und sauber ist, mit diversen Flatrides wie Slingshot und Star Flyer. Tatsächlich ist aktuell eine große Erweiterung im Bau. Schon im Juni soll ein neuer Coaster eröffnen, nämlich eine Jungle Mouse. Durch die Bäume konnten wir erspähen, dass diese bereits Schienenschluss hatte und Züge draufstanden.
An der Tanke nebenan wurde der Erfolg spontan gefeiert
Überglücklich und immernoch mit Adrenalin im Körper, fuhren wir rund 20 Minuten zum nächsten Freizeitpark. Dieser war sehr gut gefüllt, und das hat auch einen Grund: Der Eurasia Park ist komplett kostenlos! Sowohl Eintritt, als auch die Rides.
Wir erfuhren, dass der 2025 eröffnete Park ein Geschenk Russlands ist und ein Zeichen für die Russisch-Kirgisische Freundschaft darstellen soll. Interessant.
Ein Beispiel, warum eine derartige Reise ordentliche Planung im Vorfeld bedarf: Ich fand heraus, dass ein Zutritt zum Park nur nach vorheriger Reservierung möglich ist. Dafür wiederum brauchte man für die Nutzung der App eine kirgisische Handynummer. Ein spontaner Eintritt sei unter keinen Umständen möglich.
Also versuchte ich mein Glück über deren Instagram Seite, und zu meiner Verwunderung bekam ich nicht nur eine zügige Antwort, sondern es folgte ein sehr freundlicher Austausch mit Übermittlung unserer Namen und Geburtsdaten, bis hin zum übermittelten QR-Code für unseren Eintritt. Toller Service einer Seite mit >100k Followern.
Der Park hat zwei Coaster: Ein Wacky Worm und ein chinesischer Looping Coaster.
Wir begaben uns zunächst zum Wacky Worm. Wir versuchten es lang und breit, aber absolut keine Chance auf einen Ride. Die Vorgabe "nur für Kinder" wird hier knallhart umsetzt und bekamen von mehreren Führungskräften immer dieselbe Antwort. Schade drum.
Als letzten Versuch schrieb ich nochmal meinem Insta-Kontakt. 5 Minuten später stand die Social-Media-Mitarbeiterin dann gemeinsam mit Kollegin vor uns. Auch sie versuchte nochmal ihr bestes, rief den Oberchef an und auch dort gab es ein Nein. Wir akzeptieren es und würdigen die nette Begegnung.
Die Social-Media-Mitarbeiterin hatte gleich ihre Kamera dabei und fragte, ob sie einen kleinen Betrag über die weit hergereisten Europäer drehen können. Also wurden wir bei der Fahrt auf dem chinesischen Looping Coaster namens "Ulan" begleitet.
Die Bahn hat zwei Loopings und drei aufeinanderfolgende Corkscrews. Fahreigenschaften waren einwandfrei. Dadurch, dass wir alle übermüdet waren, gabs ordentlich Greyouts im zweiten Looping. Zeigt jedenfalls, dass die Chinesen inzwischen sehr vernünftige Achterbahnen bauen können.
Wacky Worm: Leider ohne uns
Coole Achterbahn!
Falls es hier Groundhopper unter uns gibt: Gleich nebenan ist das neue Nationalstadion im Bau. Kann man dann bestens verbinden.
Aufgrund der erwähnten, notwendigen Reservierung konnten wir Bektur nicht mit in den Park nehmen. Er pennte eine Runde im Auto, ehe wir ihn weckten und ihm das nächste Ziel präsentierten: Panfilov Park.
Während die beiden zuvor besuchten Freizeitparks super modern ausschauten, ist der Panfilov Park die traditionelle Vergnügungsstädte der Stadt. Mir gefiel die Atmosphäre dort. In einem Stadtwald sind dort einige Rides platziert. Der Ort war sehr gut besucht und die Stimmung insgesamt ausgelassen.
Für den geneigten Enthusiasten der schienengebundenen Berg und Talbahn gibt es hier gleich 3 abzuhakende Exemplare.
Fangen wir mit der einfachen Achterbahn an: Der kleine Powered Coaster mit zweifacher Helix für umgerechnet 1,50€ wurde entspannt eingesammelt.
Problematisch wurde es bei den zwei Chicken Coops. Diese Kleinstachterbahnen sind vor allem in China verberbreitet, wobei ich neulich auch einen in Saudi Arabien angetroffen habe. Neben der klassischen Hühner-Thematisierung steht hier gleich noch ein Exemplar mit Paris-Thematisierung.
Bei beiden Bahnen wurde uns eine Absage zur Mitfahrt erteilt - da half auch unser Kumpel Bektur nicht mehr weiter. Bei der Variante mit Hühner-Thematisierung wirkten die Ride-Ops zumindest etwas offener für unser Vorhaben. Irgendwann wechselte dann der ein oder andere Schein den Besitzer, und der schon verloren geglaubte Credit konnte doch noch eingesackt werden.
Die Paris-Variante nebenan haben wir leider lost.
Willkommen im Panfilov Park
Powered Coaster: Kein Problem
Paris Chicken Coop: Leider ein Problem
Echter Chicken Coop: Erfolgreich
Die Zeit mit Bektur wurde noch dadurch veredelt, dass wir gemeinsam ein kirgisisches Restaurant seiner Wahl aufsuchten. Wir bestellten verschiedene Gerichte, die mal mehr oder weniger identifizierbar waren, aber allesamt gut geschmeckt haben. Insgesamt hatten wir zu viel Essen auf dem Tisch, und wir waren erkennbar schnell satt. Bektur war sichtbar verunsichert und hatte große Sorge, dass es uns nicht schmeckt. Auch hier hoffe ich, dass der Google Übersetzer bestmöglich erklärt hat, dass es bei den Essgewohnheiten kulturelle Unterschiede gibt usw.
Insgesamt war der Tag herausragend. Es gab so viele tolle Momente. Die Menschen waren alle unglaublich freundlich zu uns.
Mit Englisch kommt man in Bishkek nicht wirklich weiter, aber mit Händen/Füßen/Übersetzerapp geht es irgendwie.
Eine letzte Taxifahrt mit Bektur folgte noch.
Wo die hinging und was auf der Reise noch so passierte, erfahrt ihr dann im nächsten Bericht.
Ein paar unter euch wissen es natürlich, aber wir spoilern trotzdem nicht.
Bis ganz bald zum zweiten Teil!
LG Tom
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