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Willkommen!
Es folgen einige Zeilen Bericht zu einem verlängerten Wochenend-Ausflug, der weder sinnvoll noch erholsam, jedoch gleichzeitig ein Riesengaudi mit unvergesslichen Eindrücken war. So machte sich Ende Januar eine 6-köpfige Besatzung auf den Weg Richtung Mumbai, um den Coaster-Länderpunkt (wichtige KPI!) einzusacken.
Warum Mumbai und nicht woanders in Indien? Das ergibt sich von selbst, wenn man nach dem größten Freizeitpark Indiens sucht, der das Hauptziel der Reise darstellen sollte. Als netter Nebeneffekt ist Mumbai extrem gut angebunden an europäische Flughäfen, so dass wir optimale Flugzeiten hatten.
Für Indien braucht man ein Visum, dessen Beantragung eine halbe Ewigkeit dauert. Abgefragt werden in dem völlig rückständigen Online Portal Dinge wie Geburtsort der Eltern oder auch eine Auflistung aller Länder, die man die letzten 10 Jahre besucht hat. Nach 25€ Zahlung und 2 Tagen Wartezeit hatte ich das Visum ausdruckbereit im Mail Postfach. Man sollte es in dem Fall auch wirklich ausdrucken – wir wurden mehrfach danach gefragt.
Los ging die Reise für mich mit einem frühen LH-Flug von Berlin nach München, wo ich auf drei weitere Schlachtenbummler traf. Dem Anlass angemessen wurde noch ein letztes gezapftes Spaßgetränk auf deutschem Boden einverleibt, ehe die 7 Stunden Flug nach Indien begannen. Wir hatten sehr schnell einen guten Vibe mit den Flugbegleiterinnen und insgesamt einen der coolsten Flüge, die ich bisher erlebt habe.
Kann losgehen
Nach unserer nächtlichen Landung in Mumbai begann stand noch die Immigration an. Die Beamten stellten mich mit ähnlichen Fragen auf die Probe, wie es manchmal bei USA Einreise ist: Wo übernachten wir? Was ist der Reisezweck? Mit wem sind wir unterwegs? Neben dem Visum wird eine im Vorfeld ausgefüllte E-Arrival-Card verlangt – im Grunde alles Angaben wie im Visum, aber man benötigt somit ein weiteres Dokument.
Nach dem erfolgreichen „Verhör“ ging es direkt ins Flughafenhotel – vier Sterne, sauber, aber ohne Fenster. Für drei Stunden Schlaf völlig ausreichend. Interessante Beobachtung: Ohne Flugticket kommt man nicht ins Terminal. Das hat einen Vorteil: Drinnen herrscht Ruhe, während sich draußen vor dem Gebäude das Chaos abspielt.
Da unsere beiden Mitreisenden erst am Mittag eintrafen, nutzten wir die Zeit für einen spontanen Abstecher zu einem Tempel, der verkehrstechnisch günstig lag. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen der größten Hare-Krishna-Tempel Indiens.
Nach dem Schuheausziehen betraten wir den Tempel und wurden sofort von einem Sektenmitglied in Empfang genommen. Er führte uns durch die Räumlichkeiten, erklärte die Gemälde und Ritualgegenstände – und brachte uns schließlich zum „Heiligen“ (oder Sektenanführer?). Dieser setzte uns einen Kelch auf den Kopf und sprach uns seinen Segen aus. Ein absurdes, aber faszinierendes Erlebnis.
Anschließend waren wir noch am Strand von Mumbai und sind dort einen Kilometer entlangspaziert. Die Eindrücke sind vielfältig mit herrenlosen Hunden, Slums direkt neben dem Strand und gleichzeitig Menschen, die ganz normal Beachtennis spielen wie bei uns.
Ein geführter Rundgang durch den Hare-Krishna-Tempel
Strandidylle
Nun wurde es aber höchste Zeit, die ersten Schienen aufzusuchen. In der Infinity Mall, die wir schließlich in voller Gruppengröße zu sechst besuchten, im nördlichen Teil von Mumbai steht tatsächlich eine kleine Achterbahnperle. Astro-Express nennt sich dieser Coaster des Herstellers I.E. Park und wurde in der obersten Etage der Shopping Mall verbaut. Von außen sieht die Bahn bereits super spannend aus, da sie sehr weitläufig durch die Mall fährt und vor allem einen visuell absurd kleinen Vertikallooping aufweist. Noch dazu hat sie gleich zwei Lifthügel.
Nach einer Probefahrt war ich sehr angetan. Die Fahreigenschaften waren nämlich ebenfalls gut und die Bahn fährt gleich zwei Runden.
„Die Beste Bahn, die niemand kennt.“
Der First Drop - direkt rein in einen spaßigen Camelback
Nach dem zweiten Lifthill geht es dann direkt in den Looping
Bei Mecces in der Mall gibt es McFlurry Schwarzwälder Kirsch. Warum nicht bei uns?
Schon stand der nächste Punkt auf dem Plan: eine ungelistete Achterbahn in einem kleinen Freizeitpark namens Vardhman Fantasy. Die Recherche hatte sie ausgegraben – jetzt galt es, sie auch zu finden.
Der Eintritt? Umgerechnet zwei Cent. Kein Scherz. Für diesen Preis konnte man wirklich nicht meckern. Wir machten uns sofort auf den Weg zur Achterbahn – und tatsächlich: Sie stand da! Allerdings sah sie auf den ersten Blick nicht betriebsbereit aus. Der Steuerpult war noch verpackt und befand sich kein Ride Op weit und breit.
Wir fanden schließlich einen Mitarbeiter, der uns erklärte, dass die Achterbahn heute nicht fährt. Die Verständigung war etwas schleppend. Wir erklärten unser Hobby, und wurden dann auf die verschiedenen geöffneten Flatrides verwiesen. (nein Danke
Der Grund für die Schließung konnte nicht so recht ausfindig gemacht werden in unserem Gespräch. Die Motivation des Mitarbeiters, alle Hebel zum Öffnen des Coasters in Bewegung zu setzen, änderte sich schlagartig durch die Übergabe von 1000 Rupien Trinkgeld (ca. 9,38€). Ich denke, eine Win-Win-Situation für beide Seiten.
Würdet ihr? Ich nicht
ebenfalls nicht
Reisegruppe Dragon
Es folgt nun ein kurzes Kapitel zu „Land und Leute“.
Ich möchte mir bei dieser Ultra-kurzen Reisezeit nicht anmaßen, eine große Bewertung abzugeben. Ein paar selektive Eindrücke kann ich wiedergeben: Insgesamt war ein großer Teil der Inder, mit denen wir uns unterhalten haben, wirklich sehr freundlich und hilfsbereit! Wir wurden nirgendwo so „Tourifalle“-mäßig abgezogen; und für Trinkgeld waren z.B. die Taxifahrer extremst dankbar. Taxi ist auch ein Stichwort: Die gängigste Ride-Hailing App ist „Ola“. Diese habe ich leider nicht installiert bekommen mit deutschem Handy. Uber existiert zum Glück auch und ist innerstädtisch kein Problem. In den Randbezirken wird es aber immer dünner (dazu gleich mehr). Ein Teil der Gruppe ist zwischendurch auch mal Rikscha gefahren. Die Preise für Uber und Rikscha sind natürlich super. (so circa 8€ für eine Stunde) Der Verkehr ist erwartungsgemäß eine Vollkatastrophe und schlimmer als Riad und Simbabwe zusammengenommen. Ich habe vor jedem unserer Taxifahrer den Hut gezogen. Es ist Kunst, hier heile durch den Verkehr zu kommen.
Weiteres Thema: Wir wurde ständig angeschaut wie Aliens und auch die Bildung von kleinen Menschentrauben um uns rum kam nicht zu knapp. Insbesondere auf Schulklassen hatten wir eine anziehende Wirkung, wobei die Gespräche oft dieselben waren: „Bayern Munich??“ – „No, Borussia Mönchengladbach“. Auch als Fotomotiv standen wir gern zur Verfügung. Ein Junge hat gefragt, ob es Kevin's Bart berühren darf. Er durfte natürlich.
Für 2 Tage finde ich das alles lustig, irgendwann würde es mich nerven.
Beim Thema Hygiene habe ich übrigens keine Experimente gewagt: Auf Fleisch verzichtet, Flaschenwasser zum Zähneputzen genutzt und möglichst mir bekannte Dinge gegessen. Gab keine Probleme.
Teile des Gruppe mit der Rikscha durch Mumbai
Und von Vadhman Fantasy ging es auch direkt weiter zum nächsten Park namens „Tikuji-ni-wadi“.
Dieser liegt außerhalb von Mumbai und bietet eine Mischung aus Wasserpark und Freizeitpark. Nach Zahlung von rund 9€ Eintritt pro Nase begaben wir uns gleich in Richtung Coaster, wobei es davon gleich zwei gibt. Highlight ist hier ein Spinning Coaster von Jinma Rides. Die Wagen erinnern an die von Maurer Söhne und das Layout an eine klassische Wild Mouse. Obwohl die Bahn völlig abgeranzt aussah, fuhr sie sich erstaunlich gut und hatte ordentlich Drehung. Noch dazu überzeugte die Lage umgeben von dichten Bäumen.
Jene Bäume garnieren auch den zweiten Coaster. Der Wacky Worm eines anderen Chinesischen Herstellers fährt so nah an Flora und Fauna vorbei, dass Lichtraumprofil hier ein absolutes Fremdwort ist. Bügel gab es auch keine. Skurriler Wurm in skurrilem Setting, genau für sowas ist man doch unterwegs.
Reisegruppe: Kevin, Amadeus, Wörni, Tillmann, Daniel, Tom
Danach begann jetzt auch die Problematik, dass nur ein Uber uns angenommen hatte und wir unter Zeitdruck noch einen Park („Shangrila“) weiter außerhalb kurz vor Parkschluss ansteuern wollten. Sahnehäubchen wäre am späteren Abend noch ein weiterer Park („Wonders Park“) gewesen.
Letztendlich teilte sich die Gruppe dann auf in zwei 3er Grüppchen, um die Parks parallel zu erkunden. An der Stelle fasse ich es etwas kürzer und muss verkünden, dass beide Gruppen nicht erfolgreich waren. Die nördliche Gruppe in Shangrila stand vor einem Zyklon Coaster, der schon Monate oder gar Jahre nicht mehr fuhr. Die südliche Gruppe (mir mir) fand im Wonders Park einen Wacky Worm vor, an dem wir uns die Zähne ausbeißten. Der Wurm hatte eine maximale Altersgrenze von 12 Jahren und obwohl die Mitarbeitenden einigermaßen freundlich waren, hatten wir hier keine Chance auf einen Ride. Wir wurden darauf verwiesen, dass wir ja Star Flyer fahren können -> Never!
Also machten sich beide Gruppen auf zum Hotel, wo man sich zum abendlichen Hopfengetränk wiedertraf.
Im Wonders Park habe ich leider ganz vergessen, den Wacky Worm abzulichten
Sightseeing auch abgehakt
Der nun folgende Tag war ein richtiges Highlight und erzählt von einer kleinen Freizeitpark-Perle namens Imagicaa. Wir nächtigten sehr gut im Parkhotel gleich nebenan. Natürlich kann man bei Übernachtungen in Indien richtig Geld sparen, wobei ich 30€ (ist hier das hohe Preissegment) für ein 5 Sterne Parkhotel inklusive Frühstück mehr als fair finde.
Gleich der Morgen begann schon mit coolen Momenten. Wir haben hier mit Imagicaa einen waschechten Themenpark, der auch eigene Charakter am Start hat und sogar ein Schloss zentral im Park abliefert. Die besagten Charakter enterten um Punkt 9 Uhr das Hotel und gaben eine Tanzeinlage mit voller Musikdrönung durch das ganze Hotel, ehe es für Part II des Tanzes direkt in den Frühstücksraum ging. Einfach geil.
An dieser Stelle hörten wir auch das erste mal den offiziellen Parksoundtrack, der ein absoluter Banger ist, uns den ganzen Tag begleitete, und wirklich an jeder Ecke im Park abgespielt wird.
Der Song kann hier einmal angehört werden:
Die grundsätzliche Tatsache, dass hier 4 Achterbahnen stehen, ist erstmal nicht allzu spektakulär. Schaut man näher hin und macht eine Probefahrt auf den Bahnen, muss man wirklich lobend anerkennen: Was für ein cooles LineUp! Jede der Bahnen macht Bock, so dass ich jede davon einzeln loben möchte:
1. Nitro
Die größte Achterbahn des Landes! B&M hat hier einen Floorless Coaster geliefert, der zwar ein Custom Layout aufweist, aber im großen und ganzen die übliche Abfolge an Elementen zündet. Die Fahreigenschaften sind gut. Zwischendurch war die Bahn mal geschlossen, weil zu viele Bienen in der Station waren. LoL!
2. Deep Space
Auch super! Dieser Premier Rides Launch Coaster verläuft komplett Indoor und hat zwei Inversionen. Die Züge kennt man von Sky Scream.
Sogar das Layout kannte ich schon von Doha Quest in Katar (hier allerdings ohne Spike); subjektiv hat es mir hier in Indien mehr Spaß gemacht. Fahreigenschaften auch hier top.
3. Gold Rush Express
Zamperla hat hier wohl eine der besten Bahnen ausgeliefert, die sie je gebaut haben. Dieser Family Thrill Coaster kommt auf fast 80 km/h und fährt durch ein langgezogenes, abwechslungsreiches Layout mit gutem Theming. Ich habe nichts auszusetzen.
4. Chhota Bheem The Ride
Die kleinste Achterbahn des Parks und zunächst eine harte Nuss. Die Bahn von I.E. Park hat grundsätzlich stattliche Ausmaße und fällt für mich eher in die Kategorie Family statt Kiddy Coaster. Dennoch war eine Mitfahrt Kindern vorbehalten.
Hier entwickelte sich jedoch ein super freundliches Gespräch über einige Minuten mit mehreren Mitarbeitern. So kam beispielsweise auch zur Sprache, dass ein guter Mitarbeiter den Park verlassen hat, weil er von Six Flags Qiddiya abgeworben wurde. Schlussendlich wurden wir gebeten, am Nachmittag wiederzukommen, weil dann etwas leerer ist und ggf. eine Ausnahme gemacht werden kann.
Die Realität am Nachmittag sah dann so aus: Wir durften trotz voller Warteschlange durch den Ausgang rein und den wartenden Kindern wurde von den Mitarbeitern des Parks erzählt, dass wir Ingenieure sind und die Bahn überprüfen müssen.
Ich bin dem Park sehr dankbar, dass sie das möglich gemacht haben.
Der Blick vom Hotelzimmer, der unser Herz höher schlagen lässt
Privater Character Dance im Hotel
Der Park kann was! Sowohl bezüglich der Rides, als auch optisch.
Sehr ansprechende Achterbahn
2000! Daniel, du bist eine Maschine
Konversationen hier, Konversationen da
Wenn du mich fotografierst, fotografiere ich halt zurück
Der besagte I.E. Park Coaster
Der besagte Zamperla Coaster
Es gab auch ein Wachsfigurenkabinett im Park
Der Tag ging unfassbar schnell rum.
Wir haben öfters getrödelt und Pausen gemacht, wodurch wir nicht jeden Ride geschafft haben. An großen Flatrides gibt es einen S&S Turm sowie eine große Frisbee. Eine riesige Wasserbahn mit Drop aus einem Gebäude hatte leider ganztägig geschlossen – die hätten wir gerne getestet. Auch das Flying Theater haben wir nicht geschafft.
Was wir aber geschafft haben, sind die beiden Darkrides der Firma Sally. Während ich den Shooter eher durchschnittlich fand, geht eine Würdigung raus für die Geisterbahn „Salimgarh“. Ein wirklich sehr guter Darkride mit großen Kulissen, langer Fahrt und haufenweise Theming. Einzigst die fehlende Bewegung in einigen Kulissen würde ich bemängelt. Als absoluten Knaller haben sie hier zum Ende ein Freifallelement verbaut. Tiptop.
Was wir auch besucht haben, ist die Trampolinhalle, die sich direkt im Freizeitpark befindet und aufpreispflichtig ist. Dort steht ein ZIP-Coaster. Manche sagen, das sei +1. Ich sage das auch.
Insgesamt war das alles super in Imagicaa. Die abendliche Parkparade war cool, das Essen war gut und das Merchandise natürlich sehr günstig. Natürlich lohnt sich das objektiv nicht, extra für den Park von Europa anzureisen, allerdings bereuten wir es kein Stück.
Danach ging alles super schnell. Der 4er-Teil der Truppe fuhr mit Uber die zwei Stunden zum Flughafen und erlebte eine weitestgehend unspektakuläre Rückreise mit Swiss nach Zürich. Dort teilten sich die Wege und ich kam morgens völlig übermüdet aber mit einem Grinsen im Gesicht wieder in Berlin an.
Wohin als nächstes? Ich hab schon viele Ideen.
Danke fürs Lesen.
